6. Internationale Schostakowitsch Tage

An drei Tagen - vom 19. - 21. Juni 2015 wird auch in diesem Jahr der kleine Kurort Gohrisch in der Sächsischen Schweiz zum Mekka der Schostakowitsch-Freunde aus aller Welt: Seit nunmehr sechs Jahren finden jährlich die Schostakowitsch Tage Gohrisch statt, die sich innerhalb kürzester Zeit als ein Festival von internationaler Ausstrahlung etabliert haben.

Dmitri Schostakowitsch komponierte 1960 in Gohrisch mit dem achten Streichquartett eines seiner zentralen und bedrückendsten Werke. Grund genug, hier seit 2010 in enger Kooperation mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden das nach wie vor einzige regelmäßig stattfindende Schostakowitsch-Festival weltweit auszurichten.

Auch im sechsten Jahrgang werfen die Schostakowitsch-Tage einen neuen, unkonventionellen Blick auf den Komponisten Dmitri Schostakowitsch, dem in diesem Jahr die Werke zweier anderer Komponisten gegenüberstehen.

Eine erste Schlüsselfigur ist der Russe Vsevolod Zaderatsky (1891-1953). Der Zeitgenosse Schostakowitschs war einer der letzten Musiklehrer der Zarenfamilie und wurde später aufgrund seiner adeligen Abstammung vom Stalin-Regime verfolgt. Einige seiner Werke entstanden in Lagerhaft, kein einziges wurde zu seinen Lebzeiten gedruckt, geschweige denn öffentlich aufgeführt. Erst allmählich rückt Zaderatsky durch das Engagement seines Sohnes, des Musikwissenschaftlers Vsevolod V. Zaderatsky, und des Pianisten Jascha Nemtsov ins Bewusstsein der musikalischen Öffentlichkeit. Bei den Schostakowitsch-Tagen werden einige seiner Werke zum ersten Mal überhaupt erklingen. Jascha Nemtsov bringt in zwei Klavierrezitals die 24 Präludien und Fugen zur Uraufführung – Zaderatskys pianistisches Hauptwerk, das er 1937-39 im Gulag komponierte und das damit viele Jahre vor Schostakowitschs gleichartigem Zyklus op. 87 entstand. Auch die Uraufführung der Flöten- Idylle „Der Nachtigall Garten“ sowie einige von Zaderatskys Klavierliedern illustrieren die Zeit Schostakowitschs mit bislang unbekannten Klängen.

Das Festival verknüpft darüber hinaus das Schaffen Schostakowitschs mit dem der Gegenwart: Ein weiterer Schwerpunkt ist dem estnischen Komponisten Arvo Pärt gewidmet, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert und sich schon früh durch Schostakowitsch inspirieren ließ. Später wurde auch er von den sowjetischen Kulturfunktionären angegriffen, legte eine lange Kompositionspause ein und entwickelte einen eigenen Stil, in dem er das Klangmaterial auf das Wesentliche reduzierte. Seine spirituelle, durch den russischorthodoxen Glauben geprägte Musiksprache strahlt eine meditative Ruhe aus. Pärt gehört heute zu den meistgespielten Komponisten Neuer Musik, bezieht aber auch immer wieder gesellschaftlich Stellung, etwa zu politischen Entwicklungen im gegenwärtigen Russland.

In Gohrisch wird der Countertenor Andreas Scholl einige seiner Lieder zur deutschen Erstaufführung bringen, außerdem erklingen Werke wie „These Words …“ (aus der späteren vierten Symphonie „Los Angeles“, die Pärt dem Regimekritiker Michail Chodorkowski widmete) und „Fratres“, eines seiner Hauptwerke.

Mit dem Borodin Quartett gastiert ein legendäres Streichquartett in Gohrisch, das untrennbar mit dem Namen Schostakowitsch verbunden ist. Der Komponist studierte noch sämtliche seiner Streichquartette mit diesem Ensemble ein, dessen Mitglieder das Wissen von Generation zu Generation weitergaben. Zu seinem 70-jährigen Bestehen wird das Quartett in Gohrisch mit dem Schostakowitsch-Preis ausgezeichnet. Die „Borodins“ sind in gleich zwei Konzerten mit dem dritten, sechsten und achten Streichquartett zu erleben und stellen außerdem das dreizehnte Quartett von Nikolai Mjaskowski vor – einem weiteren Zeitgenossen Schostakowitschs, den es hierzulande noch zu entdecken gilt.

Auch von Schostakowitsch wird in diesem Jahr Neues erklingen, etwa die unvollendete Violinsonate von 1945 (die mit dem vollendeten Spätwerk von 1969 kombiniert wird), eine eigens zusammengestellte Suite aus der Filmmusik zu „Das neue Babylon“ und der selten aufgeführte Liederzyklus auf Gedichte von Marina Zwetajewa.

Ergänzt wird das Programm durch ein neues Projekt der Schauspielerin Isabel Karajan, die – nach der Mitwirkung am Jubiläumsfestival 2014 – ihre Auseinandersetzung mit Schostakowitsch fortsetzt und dessen Cellosonate mit Gedichten der österreichischen Autorin Christine Lavant (1915-1973) verbindet: auch sie eine erst vor kurzem Entdeckte, deren Suche nach Wahrhaftigkeit das eigene Leiden spiegelt.

Das vollständige Programm finden Sie unter www.schostakowitsch-tage.de

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